Mittwoch, 8. April 1992 / Nr. 83

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Im Treppenaufgang des neuen Schulgebäudes der Grund- und Hauptschule Hausen drängen sich plötzlich in den Pausen Jungen und Mädchen, studieren aufmerksam mehrere große Poster. Coladose, Kaugummipäckchen, Marmeladenglas, Schokoladentafel und vieles mehr leuchten den staunenden Kinderaugen entgegen, dazu unzählige Würfelzuckerstücke, Zahlenangaben und einige aufschlußreiche Texte.

Was war geschehen? Die neunte Klasse hatte sich mit ihrem Klassenlehrer Hansjürg Baumgartner im Unterricht ein wichtiges Thema vorgenommen und fächerübergreifend bearbeitet: das „Projekt Zucker". Ernährungslehre wurde mit Biologie, Chemie, Deutsch, Mathematik und Kunst gekoppelt und die Ergebnisse in aussagekräftigen und informativen Darstellungen und Texten festgehalten, um auch die Mitschüler zum Nachdenken anzuregen.
Von den Tarnnamen aus der Familie Zucker wie Glukose-Sirup, Invert-, Trauben- und Milchzucker, Malzextrakt und Molkepulver ist die Rede, deren reichhaltige Anwesenheit in den Bestandteillisten der verschiedenen Lebensmittel so schön begrifflich verschleiert wird. Über Kohlenhydrate und ihre Baustoffe, ihre Bedeutung für Energiegewinnung im Körper wird gesprochen, ebenso über die wünschenswerte Kohlenhydratabdeckung von 50 bis 60 Prozent der täglichen Energieaufnahme.
Begriffe wie „leere Kohlenhydrate" (gleich: Zucker) werden mit dem Hinweis geklärt, daß oftmals mehr Energie geliefert werde als der Stoffwechsel benötigt, daß die überschüssige Energie vom Stoffwechsel in Fett umgesetzt und als Fettpolster gespeichert werden.
Der Rat der Neuntkläßler an die Mitschüler: „Schränkt die leeren Kohlenhydrate ein!" Zucker und Honig in jeder Form und die damit hergestellten Produkte wie Süßigkeiten, Schokolade, süße Getränke, Brotaufstriche und mit Auszugsmehl gefertigte Produkte wie Toastbrot, Kuchen und Gebäck sollten gemieden werden. Bevorzugt und empfohlen werden stattdessen Nährmittel mit geringem Zuckeranteil wie Vollkornprodukte, frische reife Früchte, naturreine Säfte, frisches Gemüse und Salate, Kartoffeln und Rohkost.

Angeregt durch Angaben der „Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege des Landkreises Lörrach" errechneten und dokumentierten die Schüler der neunten Klasse auf Schautafeln zum Beispiel den prozentualen Zukkeranteil, klebten die entsprechenden Würfelzuckerstücke anschaulich neben die präsentierten Lebensmittel.

 

Schülerprojekt in Hausen

Das Märchen vom Zucker als Energiespender

 

So kann man sehen, daß ein Paket Karamelbonbons mit 175 Gramm Gewicht 170 Gramm Zucker, das heißt 97 Prozent Zucker, enthält. Ein Paket Kakaopulver mit 400 Gramm bringt es auf 350 Gramm Zucker, das sind 128 Stückchen Würfelzucker.

Überraschend für die meisten Betrachter dürfte aber das Beispiel Salzstangen sei. Was, hierin soll Zucker stecken? Auf der Packungsangabe stehen unter anderem die harmlosen Worte „Auszugsmehl und Malz". Dahinter verbirgt sich, daß sich in einem Paket Salzstangen mit 250 Gramm Gewicht sage und schreibe 187,5 Gramm Zucker, also 75 Prozent, befinden.

Bleibt zu hoffen, das mancher junge Mensch und dadurch vielleicht auch die Eltern ermuntert werden, den Lebensmittelverbrauch auch unter ernährungs- wissenschaftlichen Erkenntnissen zu überdenken und entsprechend gemäßigt beim Verzehr zu reagieren.         st

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